Johannes 8, 12-16, „Licht der Welt“

(1)    Die längste Nacht liegt hinter uns
Der kürzeste Tag liegt hinter uns. Die längste Nacht liegt hinter uns. Endlich. So nach und nach werden jetzt die Tage wieder länger. So nach und nach werden die Nächte wieder kürzer. Gott sei Dank. Alles ist in der dunklen Jahreszeit ein wenig ruhiger: bei den Pflanzen tut sich so gut wie nichts. Menschen, Tiere machen es sachte. Trübe Tage, trübe Stimmung – empfindsame Menschen neigen zur Traurigkeit, zum Winterblues.
Toll, wenn man weiß, jetzt geht es in eine andere Richtung, jeden Tag ein wenig länger und bald kann man sich kaum noch vorstellen, dass das Sonnenlicht schon gegen 4 Uhr nachmittags verschwand. Schon jetzt ist der Tag ein paar Minuten länger, die Sonne Mittags eine kleine Handbreit höher über den Horizont. Noch ist es nicht so, dass man die Gartenmöbel mit dem Grill rausholen sollte – aber das geht doch jetzt in die richtige Richtung.
Es wird seit Urzeiten dieser Tag gefeiert, dass mehr Licht in die Welt kommt. Zu Recht. Als man dann einen Termin suchte, der für das Wunder der Geburt Jesu, für das Licht der Welt am schlüssigsten ist – kein Wunder: man kam auf diese Tage, besser: auf diese Nacht: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen.“ Nur da kann das gewesen sein. Seit Urzeiten, wird dieser Zeitenwende mit Freude entgegengesehen.

(2)    Versteht Ihr das?
„Ich bin das Licht der Welt“ sagt Jesus. Solche Sätze lesen wir häufiger von ihm „Ich bin“: das Brot, die Tür, der gute Hirte, der Weg, die Wahrheit und das Leben, der Weinstock, die Auferstehung und eben: Ich bin das Licht.
Hinter jedem „ich bin“ steckt ein „für euch“. Wir hören von Jesus, der möchte, dass die Menschen ihn immer wieder erkennen, noch wichtiger vielleicht, dass sie Gott in ihm erkennen.
Die ihm zuhören sagen zurecht: „Du zeugst von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.“ Du bist Dir selbst Dein Zeuge. Was Du über Dich sagst, hat kein Gewicht.
Kennen wir auch: Insbesondere als Schüler: gefragt, oder ungefragt, was habe ich gearbeitet und war fleißig. (In Klammern: Konnte man ja so sagen. Hat ja keiner gesehen.) Dann aber kam das Zeugnis: und die Noten sprachen nicht die gleiche Sprache – und deutlich wurde mein SelbstZeugnis ist nicht wahr.
Da muss man auch jemand anderes hören, am besten zwei andere hören. Die alten Römer machten aus dieser wichtigen Einsicht sogar einen Rechtssatz: „Man höre auch die andere Seite.“ Darum ist es ja so wichtig, was Du über andere sagst. Deine Sätze über andere urteilen, beurteilen. Diese Mahnung ist so wichtig, sie hat es sogar bis in die zehn Gebote geschafft: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“. Luther erklärt das so: „dass wir unseren Nächsten nicht verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren“.
Das Johannesevangelium ist immer ein Stückchen geheimnisvoll, eher meditativ, gedankenschwer, federleicht – es erzählt von Jesus, der zwischen Himmel und Erde ist, die ganze Zeit. Immer irgendwie dazwischen. Und wir sind ja noch ganz Erde. Auch die Jünger – auch ganz Erde – können ihm meistens nicht folgen.
Allenfalls solch eine Ahnung: Er sagt: „Ich kann für mich selber gut sagen und mein Vater im Himmel kann es auch. Meinen Vater, Gott selber – ihn seht ihr in mir.“ Er bleibt geheimnisvoll.
Er gibt Menschen, was sie brauchen, heilt die Kranken, weckt die Toten, mein Lieblingswunder: er wandelt Wasser in Wein. Und sagt zugleich: meinen Vater seht ihr hier auf frischer Tat. Um den geht es. Um den geht es eigentlich. Ja, ihr werdet gesund, ihr werdet leben. Aber das wichtigste: Ihr bekommt das ewige Leben.
Versteht ihr das? – Natürlich nicht.
Die Szene, in der Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ – im Johannesevangelium findet Ihr sie unmittelbar nach der Geschichte mit der Ehebrecherin, wo der berühmte Satz fällt: „Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ – erinnert auch an die Geschichte mit Mose am Berg Horeb. Ich meine die Geschichte mit dem brennenden Dornbusch. Gott offenbart sich. Er stellt sich Mose vor mit den Worten „Ich bin…“ Vielleicht ist es eine Art Echo, ein Nachklang, wo Gott selbst so spricht: „Ich bin der ich bin. Ich werde sein, der ich sein werde.“ Auch so ein Ich-bin-Satz: „Ich bin der ich bin. Ich werde sein, der ich sein werde.“
Manchmal finde ich, könnte der Herr schon deutlicher mit uns sprechen. Da ist, wenn Jesus Christus spricht „Ich bin das Licht der Welt“ doch schon viel deutlicher.

(3)    Bloß das Licht nicht verdecken!
Soviel ist schon klar: Ob ich selber helle bin, ein große Leuchte – das spielt offensichtlich keine Rolle. Ist vielleicht sogar eher hinderlich. So einer kann schwerer erkennen, wie nötig ihm Jesus Christus, wie nötig ihm das Licht der Welt ist. So eine öffentlich vorgeführte und verurteilte Ehebrecherin, die kann das besser als so einer, wo die Straßen des Lebens hell sind und dunkele Täler eher unbekannt.
Wichtig allein ist er. Für uns die Frage: Wie gehen wir mit dem Licht der Welt um? Fast klingt es wie eine Gebrauchsanweisung, wenn er selbst vom Umgang mit dem Licht spricht: „Niemand zündet ein Licht an und bedeckt es mit einem Gefäß oder er setzt es unter eine Bank, sondern er setzt es auf einen Leuchter damit wer hineingeht, das Licht sehe“.
Das ist wohl unser Job, darauf zu achten, dass das Licht nicht verdeckt wird: Möglicherweise wird das Licht sogar von uns selber verdeckt. Die Menschen suchen an uns, die wir uns Christen nennen, Spuren des Christus des Lichtes der Welt. Menschen können durch uns, durch unser Zeugnis über ihn, den Weg des Lebens erkennen. An uns wollen sie den Wiederglanz seines Lichtes erkennen. Sie suchen danach. Wollen wir schön, aufpassen, dass das durch uns nicht verhindert wird, sondern durchsichtig für das Licht des Lebens bleiben.

Die längste Nacht liegt hinter uns.

AMEN
 

Predigt 26.12.2016
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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 29. August 2013 16:24